Kinopaläste wurden in zahlreichen Städten bis in die 1920er Jahre errichtet. Einige historische Filmpaläste gibt es in Europa noch heute. Sie begeistern mit Glamour und einer faszinierenden Architektur und garantieren ein einzigartiges Filmerlebnis. Mit der Lichtburg in Essen gibt es auch in Deutschland einen solchen Filmpalast. Wer Kino mit Theater-Atmosphäre erleben möchte, kann auch nach Paris, Budapest oder Amsterdam reisen.
Inhaltsverzeichnis
Großes Theater im Tuschinski in Amsterdam
Als der Bau des Tuschinski in Amsterdam 1921 abgeschlossen wurde, hatte Rotterdam bereits mehrere Kinos. Das Tuschinski gehört zu den schönsten Gebäuden in Amsterdam. Der Baustil der Amsterdamer Schule trifft auf Jugendstil-Design. Auch das französische Art Deco oder Art Nouveau beeinflussen den Baustil. Im Jahr 2021 wurde das Tuschinski zum schönsten Kino der Welt gekürt.
Nach seiner Fertigstellung war das Tuschinski eine Mischung aus Varieté und Kino. Es wird noch heute als Kino genutzt. Damals war es mit seiner technischen Ausstattung der Zeit voraus.
Die Fassade wirkt fast düster und ist mit dunkel glasierten Fliesen und Keramikskulpturen verkleidet.
Die schmiedeeisernen Dekorationen und Lampen wurden vom Amsterdamer Bildhauer Barend Jordens gestaltet und sind auffällig.
Werbewirksam war das Kino bereits zu seiner Eröffnung mit seinen beiden Türmen. Sofort sollte das Publikum wissen, dass die Welt der Illusionen bereits beginnt, bevor es den eigentlichen Kinosaal betritt.
Der Große Saal hatte ursprünglich 1.600 Plätze. Für den richtigen Sound sorgten ein hauseigenes Theaterorchester und eine Wurlitzer Filmorgel. Es gab bereits damals ein modernes Heizungs- und Lüftungssystem.
Das Haupthaus verfügt heute nach einem Umbau über drei Kinosäle. Der größte Saal bietet Platz für 735 Zuschauer. Der zweite Saal befindet sich im Obergeschoss und hat 114 Plätze. Der dritte Saal im hinteren Teil des Theaters verfügt über 57 Plätze. Das ursprüngliche Pathé Arthouse, das sich an das Haupthaus anschließt, hat weitere drei Säle mit bis zu 88 Plätzen.

Grand Rex in Paris
Das Grand Rex in Paris ist nicht ganz so alt, denn es wurde 1932 eröffnet und ist damit noch etwas neuer als die Lichtburg in Essen. Einzigartig ist dieser Filmpalast durch seinen großen Saal. Damals verpflichtete der Gründer des Grand Rex, Jacques Haïk, einen US-amerikanischen Kino-Architekten mit dem Bau. Er beauftragte auch den Bau einer athmospheric hall, die damals in Amerika beliebt war.
Der Saal verfügt über eine Theaterkulisse, die den Besuchern vermitteln soll, dass sie unter freiem Himmel sitzen.
Eine solche Kulisse war damals in Europa einzigartig. Der Saal hat einen Sternenhimmel. Auch ein Springbrunnen ist im Grand Rex vorhanden.
Ursprünglich bot das Grand Rex Platz für 3.300 Zuschauer. Heute finden dort noch 2.750 Zuschauer Platz. Wichtige Veranstaltungen, die in jedem Jahr stattfinden, sind das mehrtägige Jules-Verne-Festival des Abenteuerfilms im April und die Féerie des Eaux im Dezember, die einen vorweihnachtlichen Familienfilm mit Wasserspielen vereint.

Nationales Filmtheater Urania in Budapest
Das Nationale Filmtheater Urania in Budapest ist einer der ältesten noch heute bestehenden und vollständig erhaltenen Filmpaläste in Europa und wurde 1896 vom deutschen Architekten Henrik Schmahl als Varieté-Theater errichtet. Bis heute ist dieses Filmtheater ein architektonisches Wahrzeichen der Donaumetropole.
Das Kino wird inzwischen von der Budapester Urania, einer wissenschaftlichen Gesellschaft, betrieben. Es spricht aber auch ein breites Publikum an, da dort viele Künstler auftreten. In Ungarn ist das Urania heute die erste Kinoadresse.
Das Urania hat 425 Plätze. Dort feiern viele nationale und internationale Regisseure und Filmstars ihre Premiere.
Als das Urania errichtet wurde, setzte die Architektur noch auf üppige Formen und Details. Davon zeugen die neomaurischen Formen, die sich an stilistischen Anleihen bei der Alhambra im spanischen Granada bedienen. Damals sollten sich die Besucher in eine Welt von Tausendundeiner Nacht versetzt fühlen.
Lichtburg in Essen
Die Lichtburg in Essen wurde 1928 errichtet und gehörte damals zu den repräsentativen Neubauten am zentralen Burgplatz. Die Lichtburg sollte Essen großstädtischen Charakter verleihen.
Mit der Lichtburg sollte Essen das modernste Kino Deutschlands haben. Als Palast im Stil der Neuen Sachlichkeit bot sie damals 2.000 Plätze. Heute hat sie noch etwa 1.250 Plätze.
Das Vorzeigekino wurde kurze Zeit nach seiner Eröffnung von den Nationalsozialisten vereinnahmt. Damals wurden in der Lichtburg zahlreiche Propagandafilme gezeigt.
Die Lichtburg wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, aber danach schnell wieder aufgebaut. Äußerlich sieht sie fast noch aus wie 1928, doch erhielt sie ein modernes Innenleben im Stil der 1950er Jahre. Der große Saal sieht heute noch so aus wie bei den Nachkriegspremieren, zu denen Horst Buchholz, Romy Schneider, Marie Versini, Pierre Brice und Lex Barker präsent waren.
Die Lichtburg befand sich Ende der 1990er Jahre in einem schlechten Zustand. Der deutsche Regisseur Wim Wenders ergriff die Initiative und setzte sich für das Gebäude ein. Es gelang ihm, den Verkauf abzuwenden. Mit der Restaurierung wurde 2002 begonnen. Die Lichtburg wurde in den Zustand von 1950 zurückversetzt.














